14.7.2013 Syndikat/Berlin: Die aktuelle politische Situation in Russland und libertäre Bewegungen

Was geschieht aktuell in Russlands Metropolen – unabängig von Putins Machtpolitik und außerhalb der Aufmerksamkeit europäischer Nachrichtenagenturen?

Wie organisieren sich zivilgesellschaftliche Initiativen, libertäre und antifaschistische Gruppen?

Ein Moskauer Anarchist und politischer Aktivist wird aus erster Hand erzählen, was für eine Rolle die gesellschaftlichen Massenproteste gegen die Fälschungen der russländischen Wahlen der Jahre 2011 und 2012 für die Entwicklung der Protestbewegung und libertärer politischer Kräfte vor Ort gespielt haben. Hierbei wird er vor allem die Rolle der anarchistischen Kräfte in den russischen Metropolen beleuchten und aus anarchistischer Sicht eine Prognose der gegenwärtigen Proteste und Entwicklungen vornehmen.

/// Sonntag, 14. Juli 2013 /// 20h /// Syndikat Weisestr. 56, U Boddinstr. ///

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11. Juni – Internationaler Tag der Solidarität mit Eric McDavid und Marie Mason und anarchistischen Langzeitgefangenen

Der 11. Juni entstand 2004 als ein internationaler Tag der Solidarität mit dem anarchistischen Langzeitgefangenen Jeff „Free“ Luers. Zu dieser Zeit verbüßte Jeff eine mehr als 22 Jahre lange Haftstrafe. Wütend durch die Umweltzerstörung, welche er weltweit beobachtete, fackelte Jeff drei SUVs (Sport Utility Vehicle – Geländewagen) bei einem Autohändler in Eugene, OR. ab. Das Urteil, welches ihm auferlegt wurde, war dazu bestimmt um andere, die durch den sich fortsetzenden Krieg des Kapitalismus gegen die Ökosysteme wütend geworden waren – und diejenigen, die dazu willens waren Aktion zu ergreifen – aufzuhalten. Jeff ist, trotzdessen, nicht allein in seinen Bedenken gegenüber dem Klimawandel, fossilen Brennstoffen, Umweltzerstörung und gentechnisch veränderten Organismen.


Nach Jahren des Kampfes erreichten Jeff und seine juristischen VertreterInnen eine Verringerung der Strafe und er wurde im Dezember 2009 aus dem Knast entlassen. Aber in den Jahren zwischen Jeff’s Verhaftung und der Freilassung, führte das FBI eine Serie von Anklagen und Verhaftungen durch mit dem Versuch die radikalen umweltaktivistischen und anarchistischen Zusammenhänge zu zerstören. Zwei der Personen, die sich in diesem Strudel der Repression verfangen haben, sind Eric McDavid und Marie Mason.

Eric McDavid wurde im Januar 2006 verhaftet, nachdem er von einer Informantin des Staates – „Anna“ – überlistet wurde und angeklagt unter dem Vorwurf der Konspiration. Eric – welcher nie irgendwelche Aktionen ausführte und beschuldigt wurde „Gedankenverbrechen“ begannen zu haben – lehnte es ab mit dem Staat zu kooperieren und brachte den Fall vor Gericht. Nach dem mit Fehlern überladenen Prozess, wurde Eric von den Geschworenen für schuldig befunden. Er wurde daraufhin zu fast 20 Jahren Knast verurteilt. Weitere Infos über seinen Fall auf www.supporteric.org

Marie Mason wurde im März 2008 verhaftet, nachdem ihr ehemaliger Lebenspartner – Frank Ambrose – zu einem Informanten für das FBI wurde. Angesichts einer lebenslänglichen Strafe vor Gericht, entschied sie sich dazu im September 2008 einen Deal einzugehen, sie gestand ihre Beteiligung an der Inbrandsetzung der Räumlichkeiten einer Firma, die an der Forschung mit gentechnisch veränderten Organismen beteiligt ist und die Zerstörung von Gerätschaften zur Baumfällung. Bei der Urteilsverkündung im Februar des darauffolgenden Jahres bekam sie eine Strafe von fast 22 Jahren. Weitere Infos über Marie’s Fall unter www.supportmariemason.org

Marie Mason und Eric McDavid teilen die unglückliche Auszeichnung die höchsten Urteile für umweltaktivistische Gefangene in den Vereinigten Staaten inne zu haben. Bitte beteiligt euch am internationalen Tag der Solidarität mit Marie Mason, Eric McDavid und anderen anarchistischen Langzeitgefangenen an jedem 11. Juni. Dies ist der Moment, um sich an unsere FreundInnen in den Knästen – die ihre Kämpfe von innen fortsetzen – zu erinnern. Dies ist der Moment, um die Arbeit für welche Eric und Marie nun so viele Jahre abzusitzen haben, fortzusetzen und zu intensivieren – der Kampf gegen Kapitalismus, ökologische Zerstörung und die stetig diffuseren Formen der Kontrolle in dieser Knastgesellschaft.

Freiheit für Marie und Eric! Freiheit für alle Gefangenen!

Weitere Infos june11.org

Anarchist Black Cross Berlin

www.abc-berlin.net

 

Internationalismus und Antiimperialismus von unten

Anarchismus und Syndikalismus in der kolonialen und postkolonialen Welt

Tierra y Libertad

In den Weltregionen, die dem Kolonialismus und Imperialismus unterworfen sind, spielte die anarchistische Bewegung – einschließlich ihres gewerkschaftlichen Ablegers, des Syndikalismus – eine Schlüsselrolle. Die Rolle der Anarchisten und Syndikalisten in den nationalen Befreiungsbewegungen war zentral, manchmal führend. Die Bewegungen in Asien, Afrika, Lateinamerika und der Karibik – aber auch in Teilen von Europa, insbesondere in Osteuropa und Irland – müssen als integraler Bestandteil der Geschichte der Arbeiterklasse, der Linken und der Unabhängigkeitsbewegungen in diesen Regionen betrachtet werden.

Einige linke Autoren haben den Anarchismus mit Verweis darauf als „historischen Fehler“ verurteilt, dass er „fast nichts zu tun [hatte] mit den antikolonialen Kämpfen, die revolutionäre Politik [im 20. Jahrhundert] definierten“1. Weniger polemisch behauptete John Crump, ein mit dem japanischen Anarchismus sympathisierender Autor, der „Anarchismus hat in der ‚Dritten Welt’, in den Kolonialgebieten kaum Wurzeln geschlagen“2.

Solche Auslassungen sind in gewissem Sinne verständlich. Texte über die Geschichte des Anarchismus und Syndikalismus konzentrieren sich tendenziell auf die nordatlantischen Länder und ignorieren 80 Prozent der Menschheit und einen Großteil der Geschichte dieser Strömung. Darüber hinaus widmen diese Studien der anarchistischen und syndikalistischen Beteiligung an den antiimperialistischen Kämpfen kaum Aufmerksamkeit3. Das Kernproblem aber besteht darin, dass diese Behauptungen schlicht falsch sind. Anarchisten und Syndikalisten spielten in den Kämpfen all dieser Regionen, auch in Unabhängigkeitskämpfen, eine wichtige Rolle. Daher sollten die Debatten, die in der (post-)kolonialen Welt innerhalb der anarchistischen und syndikalistischen Bewegung geführt wurden, genau untersucht werden.

Anarchistischer Antiimperialismus?

Die Themen, mit denen sich diese Bewegungen konfrontiert sahen – und sehen –, sind heute noch entscheidend für revolutionäre Politik und müssen von Anarchisten und Syndikalisten auf Grundlage klarer historischer Referenzen und nicht abstrakter Losungen angegangen werden. Etwa die Frage, ob der Imperialismus geschlagen werden kann: Führen Unabhängigkeitskämpfe immer und zwangsläufig nur zur Herrschaft einer neuen Elite, wie einige meinen4, oder können sie ein Weg zur sozialen Revolution sein? Wie können ‚rassische’ Spaltungen in Arbeiterklasse und Bauernschaft überwunden werden? Dies sind Fragen, die von der Bewegung in der (post-)kolonialen Welt ausführlich diskutiert wurden; und aus ihrer aktuellen Praxis lässt sich einiges lernen.

So fanden zwei der drei großen anarchistischen Revolutionen im 20. Jahrhundert außerhalb der westlichen Welt statt und waren Teil von Unabhängigkeitskämpfen oder nationalen Befreiungsbewegungen: Die Rede ist von der Ukraine (1918–1921) und von Korea/Mandschurei (1929–1931); die dritte ist natürlich Spanien (1936–1939). Jüngste Arbeiten beginnen die bisherigen Behauptungen und irreführenden Ansätze infrage zu stellen. Ein Beispiel hierfür ist Anarchism and Syndicalism in the Colonial and Postcolonial World, 1870-1940: the praxis of national liberation, internationalism and social revolution, herausgegeben von Steven Hirsch und Lucien van der Walt (Brill, 2010). Mit einem Vorwort von Benedict Anderson und einer Einleitung der Herausgeber umfasst der Band Beiträge zu Argentinien (Geoffroy de Laforcade), Brasilien (Edilene Toledo und Luigi Biondi), China (Arif Dirlik), Kuba, Mexiko, Panama und Puerto Rico (Kirk Shaffer), Ägypten (Anthony Gorman), Irland (Emmet O’Connor), Korea (Dongyoun Hwang), Peru (Hirsch), Südafrika (van der Walt) und zur Ukraine (Aleksandr Shubin). Dieses internationale Team widmete sich intensiv den Berührungspunkten von Anarchismus und Syndikalismus mit der „nationalen Frage“ in diesen Regionen: Das sind einerseits die ethnischen und ‚rassischen’ Spaltungen in der Bauernschaft und Arbeiterklasse und andererseits die Kämpfe um nationale Selbstbestimmung und antirassistische Gleichheit im Kontext kolonialer und imperialer Machtkonstellationen.

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